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WJT 2016 - Krakau

Papstmesse: Gebt euch nicht mit mittelmäßigem Leben zufrieden

Wer der Berufung zum Dienst an Gott und der Kirche nachgibt, lebt ein Leben von „konkreter Liebe“ und ist nicht mehr Herr seiner selbst. Doch „froh im Herrn, gibt er sich nicht mit einem mittelmäßigen Leben zufrieden, sondern ist erfüllt von dem brennenden Verlangen, Zeugnis zu geben und die anderen zu erreichen“. Das betonte Papst Franziskus in seiner Predigt bei der Messe mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen an diesem Samstag. Ausdrücklich würdigte er auch die Verdienste der Personen des geweihten Lebens für diesen Dienst, der stets ein Aufbruch sei und dem weltlichen Machtstreben komplementär entgegen stehe.

Etwa 2.000 Menschen fanden in der Johannes Paul II. gewidmeten Wallfahrtsstätte Platz, weitere tausende von Menschen nahmen an der Messe über Bildschirme teil, die auf dem Platz vor dem „Hab-Keine-Angst“-Zentrum aufgestellt wurden.

In Anlehnung an das gehörte Evangelium und in bester jesuitischer Tradition meditierte der Papst in einem Dreischritt über einen Ort, einen Jünger und ein Buch. Dabei sei der Ort derjenige, an dem sich die Jünger nach dem Tod Jesu hinter verschlossenen Türen versammelten, als auf einmal Jesus selbst zu ihnen trat. „In diesem verschlossenen Ort ertönt kraftvoll die Aufforderung, die Jesus an die Seinen richtet: » Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch « (V. 21). Jesus sendet. Er wünscht von Anfang an, dass die Kirche im Aufbruch ist, in die Welt geht. Und er will, dass sie es so tut, wie er selbst es getan hat, wie er vom Vater in die Welt gesandt worden ist: nicht als Machtmensch, sondern » wie ein Sklave « (Phil 2,7), nicht » um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen « (Mk 10,45) und die gute Nachricht zu bringen (vgl. Lk 4,18). So sind auch die Seinen Ausgesandte, zu allen Zeiten.“

Bedeutsam sei in diesem Zusammenhang der Kontrast zwischen der Furcht der Jünger und der Aufforderung Jesu, hinaus zu gehen, um mit der Kraft des Heiligen Geistes die Vergebung und den Frieden Gottes zu verbreiten. Papst Franziskus: „Dieser Ruf gilt auch uns. Wie könnte man darin nicht den Widerhall der großen Aufforderung des heiligen Johannes Paul II. hören: „Öffnet die Türen!“? Dennoch kann in unserem Leben als Priester und Gottgeweihte oft die Versuchung bestehen, ein wenig in uns selbst und in unsere Kreise eingeschlossen zu bleiben, aus Furcht oder aus Bequemlichkeit. Die Richtung, die Jesus angibt, ist aber eine Einbahnstraße: aus uns selbst hinausgehen. Es ist eine Reise ohne Rückfahrkarte.“ Er allein sei es, der dem Leben des Berufenen die Sicherheit gebe, denn wer berufen sei, habe keinerlei materielle oder anders geartete Sicherheit, die ihn selbst ins Zentrum setze, mehr.

Der Dienst muss konkret sein

Das Leben seiner engsten Jünger bestehe also aus konkreter Liebe, das heißt aus Dienst und Verfügbarkeit, die keinen Platz mehr für private Wahlmöglichkeiten lasse – wo man gebraucht werde, müsse man tätig werden, betont der Papst. Doch gleichzeitig sei dieses Leben frei von vielfältigen Zeitverschwendungen, man könnte sich auf das Wesentliche konzentrieren: „Er mag nicht nur so dahinleben, sondern freut sich, das Evangelium zu verkünden,“ fasst der Papst dieses Leben zusammen.

Der Jünger, von dem das gehörte Evangelium namentlich spreche, sei der Ungläubige Thomas, fährt Franziskus fort: „In seinem Zweifel und seiner Unruhe, begreifen zu wollen, ähnelt uns dieser auch ziemlich eigensinnige Jünger ein wenig und ist uns sogar sympathisch. Ohne zu wissen, macht er uns ein großes Geschenk: Er bringt uns Gott näher, denn Gott verbirgt sich nicht vor dem, der ihn sucht.“ Im Gegenteil, er lasse sich von Thomas in seinen Wunden berühren, und gebe ihm so die Gelegenheit, sein unzulängliches Menschsein vertrauensvoll vor ihn zu tragen.

Im Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit

Der offene Austausch mit Gott, frei von Heuchelei und im Vertrauen auf die Göttliche Barmherzigkeit sei es, der das Herz Jesu gewinne, so Papst Franziskus zu den Teilnehmern der Messe. „Der Jünger zögert nicht, sich Fragen zu stellen, er hat den Mut, im Zweifel zu leben und ihn vor den Herrn, vor die Ausbilder und vor die Vorgesetzten zu tragen, ohne Berechnung und Verheimlichung. Der treue Jünger führt eine wachsame und beständige Unterscheidung durch, da er weiß, dass das Herz jeden Tag erzogen werden muss, angefangen bei den Gefühlen, um sich vor jeder Falschheit im Verhalten und im Leben zu hüten.“ Der Apostel Thomas selbst sei am Ende seiner leidenschaftlichen Suche nicht nur dahin gelangt, an die Auferstehung zu glauben, sondern habe in Jesus Alles für sein Leben gefunden.

Im letzten Vers des gehörten Evangeliums schließlich sei von einem Buch die Rede gewesen: „Es ist das Evangelium, in dem die vielen anderen Zeichen, die Jesus vollbracht hat, nicht aufgeschrieben sind“. Vielleicht sei es nach dem großen Zeichen seiner Barmherzigkeit nicht mehr nötig gewesen, anderes hinzuzufügen, meditierte Franziskus. Doch vielmehr berge diese Leerstelle eine große Herausforderung, denn sie lasse Raum für die Zeichen, die wir selbst vollbringen können: „wir, die wir den Geist der Liebe empfangen haben und berufen sind, die Barmherzigkeit zu verbreiten.“

Jeder müsse sich nun fragen, was er selbst tue, um seine „weißen Seiten“ mit Taten der Barmherzigkeit zu füllen. Dies könne durch konkrete Taten geschehen und verlange nach einer vollständigen Hingabe für den Nächsten, welcher Natur auch immer sein Leiden sei. Jeder der Anwesenden verwahre in seinem Herzen eine besondere Seite des Buches der Barmherzigkeit Gottes, nämlich die Geschichte seiner persönlichen Berufung zum Dienst an Gott und der Kirche. „Frischen wir heute dankbar die Erinnerung an seinen Ruf wieder auf – an diesen Ruf, der stärker ist als aller Widerstand und alle Mühe. Wenn wir nun mit der Eucharistiefeier, der Mitte unseres Lebens, fortfahren, wollen wir dem Herrn danken, dass er mit seiner Barmherzigkeit durch unsere verschlossenen Türen eingetreten ist; dass er uns wie Thomas beim Namen gerufen hat und dass er uns die Gnade schenkt, sein Evangelium der Liebe weiterzuschreiben“, schloss Franziskus seine Predigt.

(rv 30.07.2016 cs)

 

P. Franziskus Twitter-Seite

* Lebensform *

 

"Die Verschiedenheit der kulturellen und nationalem Herkunft, der Lebensalter und der Veranlagungen, der Begabungen und der Fähigkeiten sind unser Reichtum. Es eint uns die gleiche Berufung zur Nachfolge und der gemeinsame Auftrag Pallottis, wenn wir auch innerhalb der Gemeinschaft verschiedene Aufgaben erfüllen". (Lebensform 91)

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"Im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens steht Christus, der Apostel des Ewigen Vaters. Sein Auftrag formt unser Denken, unsere Spiritualität, unser Gebet, unser Tun und Leiden." (Lebensform 19)

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"Als Jüngergemeinde sind wir um Christus, den Apostel des himmlischen Vaters, versammelt. Wie die Jünger wollen wir mit Jesus leben, werden von ihm ausgesandt und kehren zurück, um unser Tun in seinem Licht zu prüfen". (Lebensform 88)

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„Es ist unser besonderes pallottinisches Charisma, bei den Laien das Wachsen im Glauben und in der Liebe zu fördern, das Bewusst sein ihrer apostolischen Berufung zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten in der apostolischen Sendung.“ (Lebensform 21)

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"Unsere Beziehungen zueinander sollen geprägt sein vo der Liebe, die alles trägt, glaubt und hofft. Diese Liebe ist ohne Überheblichkeit und Eifersucht, sie verletzt nicht, läßt sich nicht erbottern und trägt nichts Böses nach. Sie wird nicht entmutigt, sondern bleibt freundlich und geduldig. Sie freut sich mit den anderen und trägt ihr Leid mit. In dieser Liebe sollen wir einander fördern und stützen". (Lebensform 90)