Besucher Zähler

17392461
Seit 2011
17392461

Lk 7, 36-50

Eine Frau ohne Namen, eine Liebe ohne Ende

Die Nachricht von ihm ging wie ein Lauffeuer durch das ganze Land. Die Leute standen auf den Straßen und Märkten zusammen und überschlugen sich in der Schilderung seiner Wundertaten, von denen sie ja bisher auch nur aus dritter oder vierter Hand gehört hatten. Und doch wollte jeder etwas zum Besten geben von dem, was er über diesen Jesus aus Nazareth erfahren hatte. Die Zahl derjenigen, die er gesund gemacht haben sollte, wuchs auch für den Geschmack der wohlmeinenden Gemüter inzwischen allzusehr in die Höhe.

All das war natürlich auch den Pharisäern nicht entgangen. In den Synagogen begann landauf landab jedes Mal, wenn der Gottesdienst eben erst vorüber war, eine  heftige Diskussion darüber, was von diesem Wanderprediger und Wunderheiler aus Nazareth zu halten sei. Die meisten waren kritisch. Es ging die Rede, er maße sich an, etwas über Gottes Willen sagen zu können. Dabei war er doch nur ein einfacher Zimmermannssohn aus Nazareth. Was sollte der schon über den Willen Gottes wissen. Hatte er etwa studiert? Hatte ihm etwa irgendeine ernstzunehmende Autorität die Verantwortung für die Aufgabe zu predigen und zu heilen übertragen?

Ein paar von den Pharisäern waren diesem Menschen gegenüber, den sie ja noch gar nicht kannten, nicht sofort ablehnend eingestellt. Mal abwarten. Vielleicht kann man ja erst einmal mit ihm reden, dachten sie, und: dann wird sich das Ganze schon als Luftblase erweisen. Was die Leute aber auch immer für ein Gewese um so ein paar Heilungen machen, die wahrscheinlich noch nicht mal überprüft worden waren. Man hat ja schon von Scheintoten, Atemstillständen und wer weiß was sonst noch gehört. Wir werden ihn befragen, dachten sie, wir laden ihn einfach mal ein. Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des Pharisäers und setzte sich zu Tisch. (Lk 7,36)

Nun war er ihnen tatsächlich in die Falle gegangen. Aber nein, eigentlich wollten sie das so gar nicht sehen. Natürlich hatten sie ein paar Fragen vorbereitet, an denen sie ihn messen wollten. Vor allem galt es herauszubekommen, aus welcher Autorität heraus er sprach und handelte.

Simon, der Gastgeber. Ja, Simon, der mit dem guten Herzen. Immer hielten sie ihm das vor. Nun hatte er auch für diesen Jesus aus Nazareth wieder etwas übrig. Er war gespannt, wie das Gespräch mit ihm wohl verlaufen würde. Die Leute erzählten sich ja auch von seinen Worten bereits Wunderdinge. Natürlich waren viele gekommen. Nur wenige hatten Platz am Tisch zu liegen. Einige standen im Haus, andere draußen vor der  Tür. Auch die wollten hören, was gesprochen wurde. Allmählich, dachte Simon, können wir mal mit dem Essen beginnen.

Was?! Ein Schatten fiel zu Boden. Dort, wo Jesus lag. Die Leute, die sich noch nicht zu Tisch gelegt hatten und Jesus eben noch umstanden, strebten auseinander. Was war denn da los! Was sollte denn das! Das ist doch eine Frau. Was soll denn das! Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. (Lk 7,37)

Ja, ja. Sünderin, natürlich! Ich weiß schon. Ich passe nicht ins Bild. Ihr Ge-rechten, ihr Neunmalklugen. Wisst ihr nicht, wie es ist, benutzt und verachtet zu werden? Ihr habt euer Auskommen, eure Familien, eure Häuser. Ihr Schein-heiligen. Wisst ihr nicht, wie es ist zu hungern und Durst zu haben nach sauberem Wasser? Nach wirklich sauberem Wasser? Wie es ist zu hungern danach, dass endlich einer kommt, der mich ansieht? Nicht mehr nur meinen Körper taxiert, sondern mich meint? Mich ansieht, nicht voller Vorurteile, sondern voller Liebe?!

Sie erzählen von diesem Jesus, dass er sogar Sünden vergeben kann. So vielen hat er schon geholfen. Er meint es ernst. Das ist keiner von denen, die vor-schnell urteilen. Ich spüre das. Ich spüre das mit der ganzen Kraft der Sehnsucht, zu der mein gebeuteltes Herz fähig ist. Mit der ganzen Kraft meines verletzten Herzens weiß ich, dass es etwas Besseres gibt. Und dieser Jesus ist einer, der es ernst meint mit den Menschen. Er ist zu dieser Liebe fähig, nach der ich mich sehne. Ich will, dass er mich ansieht. Nur einmal soll er mich ansehen, das wird mich heilen. Nie war etwas mir klarer.

Um Himmels Willen, was macht diese Frau denn da? Als die vernahm, dass Jesus zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl und trat von hinten zu seinen Füßen. (Lk 7,37-38a)

Ich werde ihn salben mit diesem Öl. Sein Kopf, seine Haare, ja, ich möchte diesem Mann etwas Gutes tun. Ich will ihm mit diesem Öl, das mich so viel gekostet hat, alles schenken, was ich besitze. Vielleicht sieht er mich dann freundlich an, vielleicht hilft er mir gegen all diese Großmäuler und Lästerzungen. Wie sie schon wieder gucken! Ich werde jetzt einfach die Flasche öffnen, so..., aber – was? Er dreht sich zu mir um. Er sieht mich an, oh, nein, nicht das, bitte nicht.

Was ist denn mit dieser Frau? Erst fällt sie Jesus zu Füßen und dann muss sie hier auch noch so entsetzlich herumheulen! Sie weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen. (Lk 7,38b)

Oh, nein! Das wollte ich nun wirklich nicht! Jetzt breche ich hier in Tränen aus, was soll er nun von mir denken. Aber er hat mich so angesehen, da konnte ich nicht anders. Jetzt fließen die Tränen einfach so heraus. Ach, und seine Füße werden von meinen Tränen ganz nass.

Jetzt öffnet sie auch noch ihr Haar, seht euch das an! Das darf doch nicht wahr sein! Jetzt schaff doch jemand diese Frau hier heraus! Warum unternimmt denn keiner was? Jesus ist nun schon unrein durch die Berührung mit ihren Haaren und damit können wir eigentlich unsere ganze Runde gleich auflösen.

Und sie küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl. (Lk 7,38b) So wie Jesus, hat mich noch niemand angesehen. Ich bin ganz durcheinander und jetzt hab ich auch noch alles vermasselt. Aber dieser Blick hat mich so getroffen, dieser Blick hat das verletzte Herz in mir gesehen, diese Augen haben die Sehnsucht in mir entdeckt.

Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. (Lk 7,39) So eine ist das und der merkt es nicht. Das soll ein Prophet sein, pah!

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen.

Er aber sprach: Meister, sag es!

Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er's beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben?

Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat.

Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt. (Lk 7,40-43)

Jetzt sieht er mich schon wieder an!

Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. (Lk 7,44-47)

Was sind das für Worte? Was maßt der sich an, uns hier Lehren zu erteilen! Was ich alles unterlassen habe – und dann noch dieses: Deshalb sage ich dir...! Was weiß der denn schon! Was soll denn das!

Was hat er da gesagt? Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt. Meint er wirklich mich? Ja, Jesus meint mich. Er hat gehört, was ich ihm eigentlich alles sagen wollte, wie gerne hätte ich ihm mein Herz ausgeschüttet, nun hab ich kein einziges Wort gesprochen, aber er hat die Stimme meines Herzens vernommen. Er weiß, dass ich ihn gesucht habe, weil er die Herzen kennt, weil er heilen kann und Sünden vergibt.

Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. (Lk 7,48)

Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? (Lk 7,49) Das schlägt doch dem Fass den Boden aus! Jetzt macht doch endlich Schluss mit dieser schrecklichen Szene! Bringt die Frau raus und diesen Jesus gleich mit! Was glaubt der denn, wer er ist!

Jesus aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden! (Lk 7,50)

Quelle: https://predigtpreis.de

 

P. Franziskus Twitter-Seite

* Lebensform *

 

"Die Verschiedenheit der kulturellen und nationalem Herkunft, der Lebensalter und der Veranlagungen, der Begabungen und der Fähigkeiten sind unser Reichtum. Es eint uns die gleiche Berufung zur Nachfolge und der gemeinsame Auftrag Pallottis, wenn wir auch innerhalb der Gemeinschaft verschiedene Aufgaben erfüllen". (Lebensform 91)

________________

 

"Im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens steht Christus, der Apostel des Ewigen Vaters. Sein Auftrag formt unser Denken, unsere Spiritualität, unser Gebet, unser Tun und Leiden." (Lebensform 19)

________________

 

"Als Jüngergemeinde sind wir um Christus, den Apostel des himmlischen Vaters, versammelt. Wie die Jünger wollen wir mit Jesus leben, werden von ihm ausgesandt und kehren zurück, um unser Tun in seinem Licht zu prüfen". (Lebensform 88)

________________

 

„Es ist unser besonderes pallottinisches Charisma, bei den Laien das Wachsen im Glauben und in der Liebe zu fördern, das Bewusst sein ihrer apostolischen Berufung zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten in der apostolischen Sendung.“ (Lebensform 21)

________________

 

"Unsere Beziehungen zueinander sollen geprägt sein vo der Liebe, die alles trägt, glaubt und hofft. Diese Liebe ist ohne Überheblichkeit und Eifersucht, sie verletzt nicht, läßt sich nicht erbottern und trägt nichts Böses nach. Sie wird nicht entmutigt, sondern bleibt freundlich und geduldig. Sie freut sich mit den anderen und trägt ihr Leid mit. In dieser Liebe sollen wir einander fördern und stützen". (Lebensform 90)