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Die Geschichte der „Missionsschwestern vom katholischen Apostolat“, genannt Pallottinerinnen, nimmt in der Schweiz ihren Anfang  zu Beginn der Dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts. Auf den Punkt gebracht lautet der damalige Ruf: „GESUCHT: FRAUEN FÜR FRAUEN!“

Eine Industriegemeinde im Osten der Schweiz: UZWIL. Für Bauer und Bäuerinnen - und  für Fabrikarbeitende  gilt Ähnliches -: die Arbeitstage sind lang, das  Einkommen karg, Freizeit eher unbekannt und die Familien sind meistens gross! Auf den Müttern liegt eine schwere  Last und Verantwortung. Es gibt viel stille Not! Der Ortspfarrer, Jakob Gähwiler,  nimmt  die verborgene  Notlage wahr. Er träumt davon, dass Ordensfrauen den Frauen der Gemeinde und der Umgebung  ein Heim anbieten, in dem sie ihre Kinder zur Welt bringen können und wo sie anschliessend Tage der Erholung erleben dürfen. Die Präsenz der Ordensfrauen bedeutet für den Pfarrer eine Garantie, dass neben fachkundiger Pflege und Begleitung auch die Glaubensdimension im Wöchnerinnenheim zum Tragen kommen wird. Die Vision des Pfarrers wird hauptsächlich mitgetragen von einigen Frauen des Dorfes und von einem Mitbruder der Pallottiner.

Niederuzwil - 1934

1932 - Die Realisierung des Traumes schreitet voran. Es gibt zwei ZEICHEN, die den Pfarrer in seinem Plan bestätigen. Sie geben  ihm die Gewissheit, dass Gott seine Hand im Spiel hat! Das erste Zeichen: Die Generaloberin der Pallottinerinnen, damals mit Sitz im deutschen Limburg an der Lahn, versteht und unterstützt das Vorhaben des Pfarrers aus der Schweiz. Sie macht die Zusage, bald einige gut ausgebildete deutsche Schwestern in die Schweiz zu schicken. (Zu dieser Zeit bestand bereits eine Brücke von den deutschen Pallottinerinnen in Limburg zur Schweiz. Seit 1926 waren einige Schwestern in der Niederlassung der Pallottiner - Mitbrüder in Gossau tätig).

Das zweite Zeichen: In der Ortsmitte von Niederuzwil stehen seit Jahren einige Fabrikgebäude ungenutzt. Es wird ein Verein gegründet, der die Anliegen der Schwestern und ihres geplanten Entbindungsheimes wahrnehmen soll. Diese Gebäude können vom Verein zu günstigen Bedingungen käuflich erworben werden.

Die jungen deutschen Schwestern werden im Eiltempo in die Schweiz, nach NIEDERUZWIL, ausgesandt. Zum Glück bringen sie eine robuste Gesundheit und einen starken Glauben, sowie  viel missionarische Begeisterung mit. Sie finden  gewaltige Armut vor: Sowohl für die Unterkunft der Schwestern als auch für das Wöchnerinnenheim fehlt das Allernötigste. Kurz vor dem Eintritt der ersten Wöchnerin wird ein erstes Kinderbett gespendet. Die jungen Frauen fühlen sich wirklich als Missionarinnen und versuchen, tapfer mit den Gegebenheiten umzugehen. Hinzu kommen die Sprachprobleme. Ausserdem begegnet ihnen als Deutsche in jenen Jahren zuweilen  Skepsis, weil der Reichskanzler Hitler zwiespältige Empfindungen bei manchen  Schweizerinnen und Schweizern  auslöst. Umso erstaunlicher, dass das Werk wächst und gedeiht. Das „Caritasheim“ ist die gute Adresse der Mütter und Väter der Umgebung! Bald wird auch ein Kinderheim eröffnet, das den Familien eine weitere Möglichkeit zur Entlastung bietet. Dann entstehen zwei Kindergärten. Ausserdem wird Platz geschaffen für einige  Pensionärinnen und Pensionäre. Zudem ist eine Krankenschwester für die Hauskrankenpflege frei gestellt. Neben der Pflege baut diese Schwester eine rege Kurstätigkeit für Hauskrankenpflege in der ganzen Region auf.

Die Pallottinerinnen entfalten in wenigen Jahren eine breit gefächerte Tätigkeit. Ihr Wirken  ist zu vergleichen mit einer Blumenknolle, die unscheinbar in der Erde ruht. Sie bekommt

Wasser, Sonne und Wärme und spriesst auf in einer Schönheit, dass man nur staunen kann!

Auf der Neugeborenenabteilung

Die Schwesterngemeinschaft in Niederuzwil

Wen kann es wundern, dass der rührige Pfarrer Jakob Gähwiler auch an seiner neuen Pfarrstelle Pallottinerinnen haben will! So entsteht 1944 eine weitere  Niederlassung in BERNHARDZELL. Dort wird das Noviziat errichtet und die ersten Schweizerinnen werden dort für das Ordensleben ausgebildet. Die Schwestern führen ein Altersheim, sind in der Hauskrankenpflege tätig, unterrichten in der Volkschule, im Handarbeitsunterricht, im Kindergarten und als Religionslehrerinnen, sowie in der Pfarreiseelsorge.

Vor der Errichtung eines Schweizer Noviziates wurden in Limburg einige Schweizerinnen für das Ordensleben ausgebildet. Sie wirkten Jahrzehnte  als Missionarinnen in den USA, in Südafrika, in England, in Deutschland und in der Schweiz.

Postulatinnen, Novizinnen und Professschwestern in Bernhardzell

Kindergarten

1950 / 1960 - Ende der 1950er und Anfang der sechziger Jahre wird eine rege Bautätigkeit in den Niederlassungen der Pallottinerinnen entwickelt: In Niederuzwil entsteht anstelle des baufälligen Wöchnerinnenheimes eine moderne Klinik, die den Erfordernissen der Zeit entspricht. Ausser der Geburtshilfe und Gynäkologie gibt es Phlebologie und Augenheilkunde. Zudem entsteht in den siebziger Jahren ein modernes Wohnheim für Betagte.

In Bernhardzell wird eine Haushaltschule  errichtet,  die von Pallottinerinnen geführt wird. Es entsteht ein grosser Gebäudekomplex, in den auch ein Heim für ältere Menschen integriert ist. Auf der Höhe der Zeit wirken in der Schweiz annähernd  vierzig Schwestern. 1968 wird die Schweiz zur Regio erhoben und der Generalleitung unterstellt.

1970 - Im Laufe der Zeit nimmt aber  die  Zahl der Schwestern ab. Es ist ein allgemeiner Rückgang der Ordensberufe feststellbar. Davon sind auch die Schweizer Pallottinerinnen betroffen.

1992 - In den 1990er Jahren wird die Gemeinschaft mit der Frage konfrontiert, wie es mit ihren  Institutionen weiter gehen soll. Das ist sehr schmerzlich für die Schwestern! Denn in der Schweizer Regio haben sich als besondere Charakteristika  ein hohes Mass an Identifikation mit den Apostolatsaufgaben und eine grosse Nähe zum Volk herausgebildet. Das erscheint  insofern nachvollziehbar, als  während der Zeit des zweiten Weltkrieges, 1939 bis 1945, die Pallottinerinnen in der vom Krieg verschonten Schweiz in Isolation gerieten. Die junge Gemeinschaft gab ihr Herzblut für die Werke und war ganz auf sich gestellt. Sie konnte kriegsbedingt  nicht auf ihr Mutterhaus zurückgreifen, das ihr in den frühen Gründungsjahren jederzeit tatkräftig Beistand gegeben hatte. Diese Erfahrung ist prägend!

Ab Mitte der neunziger Jahre können  die Pallottinerinnen alle ihre Institutionen sowohl in Bernhardzell als auch in Niederuzwil in andere Hände geben. Sie werden nach Möglichkeit im Geist  des Evangeliums und damit im Geist der Pallottinerinnen weiter geführt.

Kommunität im Pallotti-Huus, Niederuzwil

Kommunität in Bernhardzell mit Gästen

2010 - Die Gemeinschaft der Pallottinerinnen Schweiz zählt heute neun Mitglieder, die nach wie vor  in Niederuzwil und in Bernhardzell leben und wirken. Sie untersteht als Schweizer Gemeinschaft der Generalleitung. In Bernharzell wirken die Schwestern hauptsächlich in der UNIO und besuchen ältere Menschen in der Gemeinde. In Niederuzwil bieten die Schwestern Ignatianische Exerzitien und Geistliche Begleitung im eigenen Haus und ausserhalb an. Das Haus der Schwestern in Niederuzwil, das „Pallotti-Huus“, ist ein offenes Haus für Menschen aus der Umgebung zur Mitfeier der Eucharistie und zur Teilnahme am Stundengebet der Gemeinschaft.

Gerade in neuester Zeit wird die Zusammenarbeit innerhalb der UNIO sehr gefördert und praktiziert. Das Informationsblatt „NOVUM – Nachrichten der pallottinischen Gemeinschaften Schweiz UAC“ bringt das zum Ausdruck. Die 1. Ausgabe war im Januar 2010 erschienen.

Die Übergabe der Institutionen gibt uns als Gemeinschaft der Pallottinerinnen mehr Raum für das Eigentliche: die Begegnung mit Gott, die sich im Alltag auswirken möchte.

Pallotti-Huus Niederuzwil

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P. Franziskus Twitter-Seite

* Lebensform *

 

"Die Verschiedenheit der kulturellen und nationalem Herkunft, der Lebensalter und der Veranlagungen, der Begabungen und der Fähigkeiten sind unser Reichtum. Es eint uns die gleiche Berufung zur Nachfolge und der gemeinsame Auftrag Pallottis, wenn wir auch innerhalb der Gemeinschaft verschiedene Aufgaben erfüllen". (Lebensform 91)

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"Im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens steht Christus, der Apostel des Ewigen Vaters. Sein Auftrag formt unser Denken, unsere Spiritualität, unser Gebet, unser Tun und Leiden." (Lebensform 19)

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"Als Jüngergemeinde sind wir um Christus, den Apostel des himmlischen Vaters, versammelt. Wie die Jünger wollen wir mit Jesus leben, werden von ihm ausgesandt und kehren zurück, um unser Tun in seinem Licht zu prüfen". (Lebensform 88)

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„Es ist unser besonderes pallottinisches Charisma, bei den Laien das Wachsen im Glauben und in der Liebe zu fördern, das Bewusst sein ihrer apostolischen Berufung zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten in der apostolischen Sendung.“ (Lebensform 21)

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"Unsere Beziehungen zueinander sollen geprägt sein vo der Liebe, die alles trägt, glaubt und hofft. Diese Liebe ist ohne Überheblichkeit und Eifersucht, sie verletzt nicht, läßt sich nicht erbottern und trägt nichts Böses nach. Sie wird nicht entmutigt, sondern bleibt freundlich und geduldig. Sie freut sich mit den anderen und trägt ihr Leid mit. In dieser Liebe sollen wir einander fördern und stützen". (Lebensform 90)