Deutschland

Die Geschichte der Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat

Die Geschichte der Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat, genannt Missionspallottinerinnen

Rom

Es ist der 9. Januar 1835 bei der Feier der Eucharistie, als Vinzenz Pallotti in einer Vision den Auftrag zu seinem Lebenswerk klar erkennt.  Es soll dem Apostolat, der Sendung der Kirche dienen, so schreibt er in sein Tagebuch. Es soll dazu dienen:

1. den Glauben in der ganzen Welt zu verbreiten,

2. den Glauben unter den Katholiken wieder zu beleben und zu vertiefen,

3. durch Werke der Liebe allen Menschen zu helfen, den Gott unendlicher Liebe

im Menschen zu erkennen.

„Männer und Frauen jeden Standes, jeden Alters, jeder Bildungsstufe", Laien, Ordenschristen und Priester umfasst seine Vision. Es ist eine Vision zur Einheit, die Vision des einen Hirten und der einen Herde, die Vision des Friedens, die Vision der Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens.

Am 4. April des gleichen Jahres erhält das geschaute Werk, die „Vereinigung des Katholischen Apostolates“, seine kirchliche Gutheißung.

Der Weg der Schwesternschaft in diesem Werk beginnt 1838 in der Pia Casa di Carità im Borga Sant Agata dei Goti Nr. 8. Eine Choleraepedemie in Rom hat besonders die Lage der Mädchen verschärft, die von ihren Eltern zum Betteln und zur Prostitution in den Straßen Roms ausgesetzt wurden. Für sie eröffnet die neu gegründete Vereinigung des Katholischen Apostolates ein Fürsorgeheim.

Die Betreuerinnen der ersten Stunde werden die späteren „Schwestern vom Katholischen Apostolat“, im Volksmund nach ihrem Gründer kurz „Pallottinerinnen“ genannt.

Trotz vieler Anfangsschwierigkeiten erfüllt sich auch an ihnen die Verheißung Vinzenz Pallottis über sein Werk: „Die Gemeinschaft wird gesegnet sein."

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Diese Segensverheißung zeigt sich in vielen Zeichen göttlicher Führungen und Fügungen, so auch 1890. Auf die Priester- und Brüdergemeinschaft Vinzenz Pallottis kommt eine große Herausforderung zu, die schicksalhaft die Schwesterngemeinschaft mit betrifft. Die Pallottiner werden 1890 von der römischen Propaganda-Kongregation mit der Missionierung Kameruns beauftragt.

Kamerun, ein kleines Land an der Westküste Afrikas, hatte 1884 seine Hoheitsrechte an die deutsche Regierung abgetreten, Kamerun war zur Kolonie Deutschlands geworden. Deutschland ist vor allem an Handelsbeziehungen interessiert, wenig an Missionierung und Evangelisierung. In Deutschland haben noch die kirchenfeindlichen Gesetze des Kulturkampfes ihre Gültigkeit: Kirchenbesitz ist enteignet, Klöster sind geschlossen und aufgelöst, Neugründungen sind nicht erlaubt, Bischöfe und Priester im Gefängnis oder in der Verbannung.

Für die deutschen Kolonien gilt das Gesetz, dass nur deutsche Staatsangehörige in ihnen wirken dürfen. Das bedeutet für das kirchliche Missionsmandat der Pallottiner in Kamerun, dass nun noch mehr deutsche Kandidaten geworben werden müssen, als sich schon in ihrem Missionskolleg in Masio/Oberitalien den Pallottinern  angeschlossen haben.

Und weil Missionierung ohne Beteiligung von Missionsschwestern nicht denkbar ist, müssen auch sie mitgeworben werden. Der Pallottinerpater Max Kugelmann aus dem Missionskolleg Masio übernimmt diese Aufgabe. Für die geworbenen deutschen Kandidatinnen eröffnet der Pallottinerprokurator Wilhelm Whitmee zusammen mit der Generaloberin der römischen Pallottinerinnen Mutter Raffaela Castellani 1891 in Rom das internationale Missionskolleg Regina Apostolorum in der Via Lungara Nr. 231 in Trastevere.

Mutter Raffaela Castellani

Die Leitung wird der englischen Pallottinerin aus den USA Maria Fidelis übertragen. In das Missionskolleg treten auch Kandidatinnen aus Polen, England, Irland, Italien und den USA ein. Auf Drängen des Apostolischen Vikars von Kamerun, Pallottinerpater Heinrich Vieter, schickt Schwester Fidelis schon 1892 die ersten ihrer deutschen Schwestern nach Kamerun, noch sind sie Novizinnen und in der Ausbildungszeit.

Da sich die Vorbereitungen auf den Missionseinsatz für die deutschen Kandidatinnen im fremden Land als schwierig erweisen, bemühen sich die deutschen Pallottiner, besonders P. Max Kugelmann, auch für die deutschen Schwestern von der Regierung in Deutschland eine Niederlassungserlaubnis zur besseren Ausbildung für Kamerun zu bekommen. Kirchliche und politische Beziehungen hatten bereits 1892 dazu geführt, dass die Pallottiner sich in der Bischofsstadt Limburg an der Lahn niederlassen konnten.

Der Dom - Limburg

Bereits 1894 erwirkt P. Kugelmann für die deutschen Schwestern eine Niederlassungserlaubnis in Limburg. Der Trennungsprozeß vom Internationalen Missionskolleg vollzieht sich schmerzlich, seitens der beteiligten kirchlichen Institutionen und Behörden jedoch klug und weitsichtig. Die römische Generaloberin Mutter Raffaela Castellani entlässt im April 1895 ihre „deutschen Töchter“ in die deutsche Diözese Limburg mit den Richtlinien eines „Direktoriums“, das sie mit folgenden Worten authorisiert:

„Als Generaloberin der vom Ehrwürdigen Diener Gottes Vinzenz Pallotti gestifteten Pallottinerinnen will ich, dass meine lieben deutschen Töchter dieses Direktorium (Klosterregel) treu befolgen…“

Gemäß den Entsendungsurkunden sind die Schwestern abhängig von der römischen Generaloberin. Sie bleiben verbunden mit der pallottinischen Schwesternschaft in Rom und haben demzufolge auch eine gemeinsame Regel zu beachten, allerdings angepasst an die neuen Verhältnisse in der Mission. Noviziat und Profeß bleiben gültig.

Im Laufe der nächsten Jahre wird aber der Zusammenhalt mit der römischen Mutterkongregation vernachlässigt und bricht schließlich ganz ab. Aus der Missionsabzweigung wird eine Trennung. Danach entwickelt sich die Kongregation der Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat mit eigener Struktur und eigenen Satzungen. Das Kloster Marienborn in der Weilburgerstraße von Limburg wird zum Mutterhaus der Missionspallottinerinnen und zu ihrer Leitungszentrale mit Sitz der Generaloberin.

Das Mutterhaus in Limburg

20 Jahre lang schiffen sich immer wieder neue junge Missionspallottinerinnen von hier aus nach Kamerun ein und können Seite an Seite mit den Pallottinern segensreich unter der dortigen Bevölkerung wirken. Später werden sie von Kamerun als ihrer „ersten Liebe" sprechen. Und die Kameruner Menschen werden sie „unsere Mütter des Glaubens" nennen.

1915 macht der erste Weltkrieg diesem Wirken ein jähes und schmerzliches Ende. Die Schwestern werden wie die Pallottiner als Gefangene der englischen und französischen Truppen des Landes verwiesen und auf unterschiedlichen Wegen nach Deutschland zurückgeschickt.

In Deutschland wächst die Kongregation der Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat ständig, festigt sich in ihrer Identitätssuche, schickt ihre Schwestern in neue Niederlassungen im Inland, um den „Glauben unter den Katholiken neu zu beleben und zu vertiefen", wie Vinzenz Pallotti es in seiner Vision schaute, und richtet sich auf andere Länder und Kontinente aus, um am weltweiten Missionswerk mitzuwirken.

Nach Amerika

Noch vor Ausbruch des ersten Weltkrieges sind die Vereinigten Staaten von Amerika im Blick. Der Weg dorthin führt über England, wo 1909 die erste europäische Auswärtsniederlassung eröffnet wird. 1912 schiffen sich 4 Schwestern in Bremen ein, um eine Neugründung in Richwood in den USA und von dort 1913 in Benque Viejo in Britisch Honduras/Zentralamerika, heute Belize, vorzunehmen.

In der Heimat fordert der erste Weltkrieg seinen Tribut. Das Mutterhaus Kloster Marienborn wird zum Lazarett. 67 Schwestern sind zur Pflege der verwundeten Soldaten im Einsatz, 6 Schwestern erhalten vom Roten Kreuz ihren Stellungsbefehl und pflegen die Verwundeten auf den Kriegsschauplätzen des Westens und Ostens. Eine Schwester wird selbst zum Kriegsopfer und ruht in Rumäniens Erde.

1923 bittet der Pallottinerbischof Hennemann, ehemaliger Kamerun-Missionar, Schwestern aus Limburg in sein neues Missionsgebiet in Oudtshoorn, Zentralkapland/Südafrika. In den folgenden Jahren erfolgen Neugründungen in der Schweiz, in Polen und in mehreren deutschen Gemeinden. Das Mutterhaus selbst erhält einen Anbau, in dem 1927 das Herz-Jesu-Exerzitienhaus eingeweiht wird. Ein Jahr später wird eine Missionskandidatur als Grundlage für den Klosterberuf junger Frauen und für weitere Studien eröffnet.

1939 bricht der zweite Weltkrieg aus. Die Ideologie des Nationalsozialismus liegt als schweres Kreuz auch auf der Kongregation der Missionspallottinerinnen. Die deutsche Wehrmacht beschlagnahmt das Mutterhaus und richtet ein Lazarette in. Auf diese Weise entgeht es aber dem Zugriff der Nationalsozialisten. Bomben und Fronteinwirkungen richten schwere Schäden an. Doch Gottes Schutz bleibt spürbar und sichtbar.

Nach Kriegsende können bald neue Niederlassungen eröffnet, weitere Schwestern in die schon bestehenden Missionsgebiete entsendet werden.

Die Seligsprechung ihres Gründers Vinzenz Pallotti am 22. Januar 1950 durch Papst Pius XII. gibt der Gemeinschaft neue Begeisterung und Impulse. Der Seligsprechung folgt schon bald die Heiligsprechung am 20. Januar 1963 durch Papst Johannes XXIII. Ein Jahr später, mit Dekret vom 13. Juli 1964 werden die Missionspallottinerinnen eine Kongregation päpstlichen Rechts. Die Rückkehr der Ordensleitung in die Stadt ihrer Gründung bahnt sich an.

Die Procura Generale

Zunächst wird 1965 in Rom in der Viale delle Mura Aurelie die Procura Generale eröffnet. In ihr findet 1968 das 11. Generalkapitel der Kongregation statt, das erste auf römischem Boden. Auf diesem Generalkapitel wird die Verlegung des Leitungssitzes der Missionspallottinerinnen von Limburg nach Rom beschlossen. Die Gebiete England, USA, Belize, Polen und Südafrika werden zu Ordensprovinzen erhoben und erhalten eine relative Selbständigkeit. Auch die deutschen Niederlassungen werden zu einer Provinz zusammengeschlossen. Nun ist die deutsche Provinz eine Provinz unter anderen.

Wie alle anderen Provinzen muß auch die deutsche Provinz ihre neue Identität finden und ihre innere Struktur festigen. Bisher war das Mutterhaus im Kloster Marienborn Sitz der Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat und zuständig für alle Gründungen und Niederlassungen im In- und Ausland. Als Kongregation diözesanen Rechts hatte die Generalleitung in ihm ihren Sitz. Der Kontakt mit allen Missionsgebieten und Regionen lief über das Mutterhaus in Limburg. Sie waren von ihm abhängig. Von ihm aus geschahen die Aussendungen in die einzelnen Missionsaufgaben.

Nun konzentriert sich die neue deutsche Provinzleitung auf ihre eigene Provinz und deren inneres und äußeres Wachstum. Dieser Prozeß läuft parallel mit dem Erneuerungsauftrag des II. Vatikanischen Konzils (1962–1965), der „Zurück zu den Quellen" heißt. Die Gründergestalt Vinzenz Pallottis und seine Ideen und Ziele rücken in den Vordergrund, festgeschrieben erstmals im Grundrecht der neu erarbeiteten Konstitutionen. Für die Provinz werden eigene „Provinzdirektiven" erarbeitet.

Erstmals gründet die deutsche Provinz 1980 eine Missionsniederlassung in Timbiras/Maranhao in Brasilien, bis heute ihre einzige Mission. Die Altersstruktur der deutschen Provinz verändert die aktiven Einsätze ihrer Mitglieder. Aber deren Missionsbegeisterung bleibt ungebrochen und zeigt sich im unermüdlichen und kreativen Arbeiten für Basare, Flohmärkte und in vielen Aktivitäten als Zeichen der Mitverantwortung und der Solidarität mit der Mission der eigenen Provinz, der Schwesternprovinzen und der Weltkirche.

Um den Fortbestand der deutschen Apostolatswerke zu sichern, gründet die deutsche Provinz 2003 die St. Vinzenz Pallotti Stiftung. Sie ist der Rahmen, in den die deutschen Pallottinerinnen ihre sozialen Dienste und Einrichtungen eingefügt haben,

- Aufgaben im seelsorglichen Dienst

- religiöse Angebote für einzelne und Gruppen

- Behandlung, Versorgung und Betreuung kranker,alter und sterbender Menschen

- Hilfen für anderweitig   ausgegrenzte Menschen

- Erziehungs-, Aus-, Fort- und Weiterbildungsaufgaben

- Einsatz für Glaube, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung

(aus dem Stiftungs-Proprium)

Die St. Vinzenz Pallotti Stiftung ist kein Selbstzweck, sondern geschaffen zum Dienst an Menschen in vielfachen Lebenssituationen. Sie gründet in der Spiritualität des Heiligen Vinzenz Pallotti, der das Evangelium als Grundregel seiner Gemeinschaft bezeichnet hat. In ihr soll das Erbe der Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat für die Zukunft erhalten und weiterentwickelt werden.