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Belarus 1993

Kurze Geschichte Weissrusslands (für die ganz ausdauernden Leser)

Die hier zusammengefasste Entwicklung zeigt, wie kompliziert, dramatisch und schmerzlich die Geschichte der Länder in Mittelosteuropa ist. Hintergrund ist die Geschichte der Kirchen, des Glaubens der Menschen und der Einfluss der Politik auf ihre Herzen und ihr Leben. Wir, Polen, Litauen, Weißrussland und die Ukraine haben als enge Nachbarn viele Gemeinsamkeiten in unserer Geschichte. Die geographische Lage hat uns dazu verurteilt, Nachbarn, Brüder und Schwestern, Freunde, Verwandte und manchmal Feinde zu sein. Aber wir gehören alle zu den slawischen Völkern – nicht aus freier Wahl, sondern durch die Geburt. Wenn unter den Menschen etwas schief läuft, stehen in der Regel Politiker dahinter. Die einfachen Leute wissen es besser.

Weißrussland liegt im Zentrum Europas, genau im Kreuzungspunkt von West und Ost. Früher war dies der Ort, wo unterschiedliche Völker miteinander im Krieg lagen: die alten Germanen und Balten, die Slawen und die Nomaden der asiatischen Steppe. Die ersten von den Slawen gegründeten Staaten umfassten Menschen verschiedener Rassen, unterschiedlicher Sprachen und aus mehreren ethnischen Gruppen. Das weißrussische Volk verband diese Gruppen im Mittelalter zu einem mächtigen Staat, dem Großherzogtum Litauen, das ein riesiges Territorium umfasste. Weißrussland wurde zum Kerngebiet und Fundament dieses Staates. Das abwechslungsreiche Land, in dem mehrere Religionen nebeneinander existierten, wie auch der größere historische Hintergrund beeinflussten die Bildung einer einzigartigen Gesellschaft mit ihrer eigenständigen Kultur.

Das Großherzogtum Litauen entstand aus dem Zusammenschluss mehrerer Staaten, welcher sich aus der komplexen geopolitischen Situation in Osteuropa ergeben hatte. Mongoleneinfälle und der Orden der Kreuzritter bedrohten das Land. Der neue Staat wurde zum Schutzschild Europas geben die mongolischen Eroberungszüge. Hunderte von Jahren führte das Großherzogtum Litauen einen bitteren Kampf gegen den ersten tataro-mongolischen Saat und dann gegen das aufstrebende Moskau und sein Reichsgebiet. Der dauernde Kriegszustand ließ entlang der Ostgrenze des Reiches eine starke Verteidigungslinie entstehen: entlang der Flüsse Dnieper, die westliche Dvina und den Fluß Pripyat wurden etwa 60 Burgen und Verteidigungsanlagen errichtet.

Europa 1648 – das polnisch-litauische Reich (zu dem Weißrussland gehörte) – in violetter Farbe

Im 16. Jh. bildeten das Großherzogtum Litauen und das Königreich Polen eine Union, welche unter dem Namen Rech Pospolitaya das damals mächtigste Staatsgebilde Europas schuf. Die Geschichte des neuen Staates besteht zu dieser Zeit aus fast ununterbrochenen Kriegen mit den stärksten Gegnern des damaligen Europas: Russland, Schweden und das ottomanische Reich. Andererseits war der neue Staat auch berühmt für seine Errungenschaften auf wissenschaftlichem und kulturellem Gebiet. Hier entstand die beste Gesetzgebung jener Zeit. Zum ersten Mal gab es in Europa so etwas wie eine demokratische Gesellschaftsordnung. Der Name Rech Pospolitaya stammt aus dem Polnischen und bedeutet „Republik“. Am 3. Mai 1791 nahm das Parlament die erste europäische Konstitution an.

Die allgegenwärtige Bedrohung von außen einte die unterschiedlichen Volksgruppen auf dem Reichsgebiet: Weißrussen, Ukrainer, Polen, Juden, Tataren, Roma, Deutsche, Letten und Litauer. Viele Sprachen und Religionen koexistierten friedlich in einem einzigen Land. In den Städten standen Kirchen unterschiedlicher Konfessionen, Moscheen und Synagogen dicht beieinander. In den Wäldern wurden auch noch heidnische Riten gepflegt. Die Hauptreligion war ein einzigartiges Miteinander von westlichem und östlichem Christentum: es wurden zwei Weihnachtsfeste und zwei Osterfeste gefeiert. Die Kultur bewahrte viele Elemente aus den alten Traditionen. All dies macht verständlich, wie es dazu kommt, dass die Hauptkennzeichen der Menschen aus Weißrussland Toleranz und Gastfreundschaft sind.

Ruine des Karthäuserklosters in Bereza, wo die Pallottiner 1937-1939 arbeiteten (das Foto zeigt die Ruinen im Jahr 2003)

1648 wurde das Kloster an die Kartäusermönche übergeben, die aus Treviso (Italien) kamen und sich hier niederließen. 1831 schlossen die russischen Machthaber das Kloster (als Strafe für den polnischen Aufstand gegen die Russen). Das Gebäude und seine Einrichtung fielen an die Armee. Nach dem nächsten polnischen Aufstand (1863) brachen die Russen Mauern des Klosters ab und bauten aus den Steinen Kasernen.

Am Ende des 18. Jahrhunderts war das Gebiet der Rech Pospolitaya durch Kriege und Streitigkeiten verwüstet und wurde zwischen Russland, Österreich und Preußen aufgeteilt. Das heutige Weißrussland wurde Teil des russischen Reiches. Nach drei vergeblichen Aufständen zur nationalen Befreiung, die jeweils brutal von den russischen Machthabern niedergeschlagen wurden, hatte das Land praktisch seinen gesamten Adel und seine Intellektuellen verloren. Die restriktiven Gesetze und die Politik der Assimilation, die ein Jahrhundert lang folgten, machten aus Weißrussland einen fügsamen Satellitenstaat. Nach der Revolution von 1917 bekam Weißrussland erstmals wieder eine gewisse formelle Eigenständigkeit und Grenzen, die dem eigenen ethnischen Bewusstsein entsprachen, und zwar durch die Gründung der sozialistischen Sowjetrepublik Weißrussland als Teil der UdSSR. In der ersten Hälfte des 20. Jh. überstand Weißrussland drei Revolutionen, einen Bürgerkrieg und zwei Weltkriege, zusätzlich zu dem enormen Ausmaß an Zerstörung und dem Verlust von Millionen von Einwohnern durch das totalitäre Regime Stalins. Kein anderes Land der Erde hat in jenen Jahren Vergleichbares erlebt.

Das Karthäuserkloster im 19. Jh. (von Napoleon Orda)

Heute konzentriert sich die Republik Weißrussland, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 unabhängig wurde, auf die wirtschaftliche Entwicklung des Staats sowie auf das Wohlergehen und den Wohlstand seiner Einwohner. Der größte Traum von Weißrussland ist der dauerhafte Frieden. Weißrussland hat etwa 10 Millionen Einwohner. In ethnischer Hinsicht stellen die Weißrussen die Mehrheit, danach folgen die Russen, dann die Polen und Ukrainer; weiterhin leben im Land auch Tataren, Litauer und Vertreter anderer Nationalitäten.

In religiöser Hinsicht herrschen die beiden christlichen Konfessionen der Orthodoxie und des römisch-katholischen Bekenntnisses vor. Während die weißrussisch-orthodoxe Kirche und die römisch-katholische Kirche insgesamt etwa 94 % aller sich zu einem Glauben bekennenden Menschen umfassen (80 % orthodox, 14 % katholisch), gibt es auch noch kleine Gruppen von Protestanten, Moslems und Juden.

Ein Beispiel für eine russische Kaserne, die aus Steinen des ehemaligen Klosters gebaut ist.

Das Wiederaufblühen der Religion in Weißrussland in der postkommunistischen Ära erweckte auch den alten historischen Konflikt zwischen der orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche zu neuem Leben. Dieser Konflikt wird noch komplexer dadurch, dass die beiden Konfessionen mit anderen Institutionen außerhalb der Republik vernetzt sind. Die orthodoxe Kirche Weißrusslands wird von einem gebürtigen Russen geleitet, der Haupt eines Exarchats des Moskauer Patriarchats der russisch-orthodoxen Kirche ist. Die römisch-katholische Erzdiözese von Weißrussland wird von einem gebürtigen Polen geleitet, Erzbischof Kazimir Sviontak, der enge Verbindungen zur Kirche in Polen pflegt. Trotz dieser Verbindungen hat Erzbischof Sviontak, der Gefangener sowjetischer Lager und viele Jahre lang Pfarrer in Pinsk gewesen war, untersagt, in den katholischen Kirchen Weißrusslands nationale polnische Symbole zur Schau zu stellen.

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Quelle: ein Artikel „History of Belarus“ (Geschichte Weißrusslands) von Pavel Litvinov und Wikipedia

Fotos: Wikipedia und Sr. Blanka Slawińska SAC

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"Die Verschiedenheit der kulturellen und nationalem Herkunft, der Lebensalter und der Veranlagungen, der Begabungen und der Fähigkeiten sind unser Reichtum. Es eint uns die gleiche Berufung zur Nachfolge und der gemeinsame Auftrag Pallottis, wenn wir auch innerhalb der Gemeinschaft verschiedene Aufgaben erfüllen". (Lebensform 91)

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"Im Zentrum unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens steht Christus, der Apostel des Ewigen Vaters. Sein Auftrag formt unser Denken, unsere Spiritualität, unser Gebet, unser Tun und Leiden." (Lebensform 19)

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"Als Jüngergemeinde sind wir um Christus, den Apostel des himmlischen Vaters, versammelt. Wie die Jünger wollen wir mit Jesus leben, werden von ihm ausgesandt und kehren zurück, um unser Tun in seinem Licht zu prüfen". (Lebensform 88)

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„Es ist unser besonderes pallottinisches Charisma, bei den Laien das Wachsen im Glauben und in der Liebe zu fördern, das Bewusst sein ihrer apostolischen Berufung zu wecken und mit ihnen zusammenzuarbeiten in der apostolischen Sendung.“ (Lebensform 21)

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"Unsere Beziehungen zueinander sollen geprägt sein vo der Liebe, die alles trägt, glaubt und hofft. Diese Liebe ist ohne Überheblichkeit und Eifersucht, sie verletzt nicht, läßt sich nicht erbottern und trägt nichts Böses nach. Sie wird nicht entmutigt, sondern bleibt freundlich und geduldig. Sie freut sich mit den anderen und trägt ihr Leid mit. In dieser Liebe sollen wir einander fördern und stützen". (Lebensform 90)